Über Mich | Mit Bildern Geschichten erzählen

Nicolas Petit bringt sein Können bei Auftragsfotografie, Jahresberichten, People bzw. Portraitfotografie, Schulfotografie, Hilfsprojekte und Reportagen zum Einsatz. Seine frische Bildsprache mit den Bedürfnissen der Kunden zu verbinden ist eine seiner Stärken.

Was ihm besonders am Herzen liegt, ist die Arbeit mit und für Kinder.
Nun im dritten Jahr erscheint der Badekult Kleine Bäder Postkartenkalender, Miniatur Badenden erkunden die Jahrhunderte alte ( Thermal-) Bädertradition von Baden und Ennetbaden.

"These are all our children; we will either profit or pay for whatever they become." James Baldwi

Eine stilvolle, originelle Kollektion von Weihnachtskarten ist jedes Jahr ab Oktober für Firmen wie Privatkunden erhältlich.

Die Arbeiten für verschiedene Branchen wie Gesundheitswesen, Heime, Schulen, Kitas, Kindergärten, Stiftungen, Metall u. Baubranche führen ihn zu allen möglichen Arbeitsorten und Berufsgruppen.

Nicolaspetit Fotografie ist ein Geschäftsbereich von npetit Grafikdesign & Designmanagement

Kunden 


  • Grosseltern Magazin
  • Kita Chinderhus Wanja, Ebikon
  • Klinik Professor Sailer AG
  • HFD Luzern
  • Mariazell Sursee, Schule und Wohnen
  • Cleft-Children International CCI
  • Rudolf Steiner Schule Basel
  • Cleft-Kinder-Hilfe Schweiz
  • Werbekontor/SBB
  • Akira-Tuning
  • BnB Haus Truwaaje Brienzwiler
  • MIRO Gipsergeschäft AG
  • Orange Circle Europe AG
  • Greub Schlosserei
  • Prof. Beer Plasticsurgery
  • MyDriver AG
  • Swiss Lighting Solutions
  • SchwabArt Designbüro
  • AZ Medien, Aargauer Zeitung
  • McRelax Rückentherapie
  • Praxis vor Ort, medizinische Massagen
  • Gemeinde Ennetbaden

Privatpersonen

Interview | «Die Scham, anders zu sein, hinterlässt tiefe Spuren»

Nicolas Petit bei den Cleft-Kindern im indischen Malakkara.

Ein Interview erschienen in "Unsere Projekte 2016", dem Jahresbericht der Cleft-Kinder-Hilfe Schweiz.

Herr Petit, Sie haben im Herbst 2016 Cleft-Kinder im indischen Malakkara besucht.

Ja, ich war drei Tage dort. Es ist mir ein grosses Anliegen, Menschen mit Behinderung zu helfen. Während dieser Zeit habe ich jeweils von morgens früh bis spät abends fotografiert. Um am Ende möglichst viel Material zu haben. Mein Auftrag von der Stiftung war ja, das gesamte Schulprojekt zu dokumentieren. Es war also eine relativ kurze, aber sehr intensive Zeit.

Wie bereiten Sie sich auf eine solche Reise vor?

Das fängt Monate vor dem Termin an. Aber eigentlich beschäftige ich mich schon seit Jahren damit, wie man Behinderung gewinnend erzählt. Als Kind war ich selbst mit der Frage konfrontiert, wieso ich nur drei Finger habe. Seitdem suche ich Wege, anderen zu vermitteln, wie es ist, mit einer Behinderung zu leben. Wenn ich Cleft-Kinder fotografiere, versetze ich mich in die Welt der Spender, und versuche den Spendern in der Schweiz ein Gefühl für die Freude und den Kämpfergeist der indischen Kinder zu geben.

Freude und Kämpfergeist – wie kann man so etwas abbilden?

Meine Fotos sind dann gut, wenn ich den Spendern die Kinder, die dank ihrer Hilfe eine Schule besuchen können, näher gebracht habe. Jedes von ihnen ist eine Persönlichkeit, und ein Bild sagt da oft mehr als 1000 Worte. Damit die Persönlichkeit der Kinder, ihre Freude und Dankbarkeit, aber auch ihr Mut und ihre Stärke sichtbar werden, gehe ich beim Fotografieren sehr nahe an sie heran. Ich glaube, wenn man ihnen offen begegnet, ist schnell eine Verbindung da, die die Sprachbarriere überwindet und auch auf Fotos sichtbar wird. Reportagefotografie für das Schulprojekt der Stiftung Cleft-Kinder-Hilfe Schweiz in Malakkara, Kerala, Indien.

Aber anfangs sind die Kinder eher scheu?

Naja, ich sage es mal so: Für sie ist es ein Wechselbad aus Scham und Freude, fotografiert zu werden. Viele verdecken noch spontan mit ihrer Hand den Mund, obwohl nur noch eine Narbe auf die Spalte hinweist. Die Scham, anders zu sein, hinterlässt tiefe Spuren.

Wie war es für Sie, im Wohnheim anzukommen – der erste Moment sozusagen?

In der Schule wurde ich freundlich empfangen. Der Direktor bat mich zu Tee und Kuchen und die Französischlehrerin schaute auch vorbei. Mit ihr konnte ich ein paar Worte Französisch wechseln.

Und wie ist die Schule organisiert?

In der Schule tragen alle Uniform, Jungen und Mädchen sitzen getrennt. Die Kinder sind gut integriert und lernen fleissig. Für sie ist es eine Riesenchance, eine gute Schulbildung zu bekommen. Jede Schulstufe hat eine Leiterin, die ich jeweils vor dem ­Fotografieren in den Klassen besuche. Ich fotografiere während des Unterrichts, damit die Fotos möglichst natürlich sind. Manchmal gebe ich Anweisungen und bitte zum Beispiel einen Schüler, etwas vorzulesen, damit ich nicht zu viel Zeit brauche und damit den Unterricht aufhalte. Aber meistens lassen sich die Kinder gar nicht stören. So vermitteln die Bilder möglichst nah den Alltag in der Schule in ­Indien. Das Schulgebäude selber ist in gutem Zustand, es gibt einen grossen Pausenhof und einen Kricketspielplatz.

Haben Sie das Gefühl, dass es einen besonderen Zusammenhalt unter den Cleft-Kindern gibt?

Ja, sie sind untereinander sehr solidarisch. Dhaneesh zum Beispiel, der Junge mit den herausstehenden Zähnen, geht in eine Sonderschule. Die konnte ich leider nicht besuchen, aber man erzählte mir, dass man es in der regulären Schule probiert hat, letztlich aber mehr Förderung brauchte. Die bekommt er in der Sonderschule. Dennoch ist er kein Aussenseiter, sondern in die Gruppe der Cleft-Kinder gut integriert. Wegen eines zusätzlichen Herzfehlers kann er keinen Sport machen und steht manchmal ein bisschen abseits. Mich erinnert das an meine eigene Schulzeit, als ich im Sportunterricht teils auch zuschauen ­musste.

Gab es auch Begegnungen mit Kindern, die auf irgendeine Art traurig waren?

Nicht direkt traurig, würde ich sagen. Vielleicht insofern, als dass ich manchmal gern noch mehr Zeit für sie gehabt hätte, für jeden Einzelnen. Da war zum Beispiel ein Junge, der sich sehr fürs Fotografieren interessierte. Er sagte mir, er wolle eines Tages auch Fotograf werden, so wie ich, und dass er sich nichts so sehr wünsche wie eine Kamera. Er wollte alles über meine Arbeit wissen. Ich war berührt davon, weil ich diesen Wunsch so gut nachvollziehen konnte, doch zum Erzählen blieb uns viel zu wenig Zeit.

Konnten Sie auch Kinder in ihrem Zuhause besuchen, bei ihren Eltern?

Ja, der Besuch bei Timi und Timu kam auf meinen Wunsch zustande. Ich wollte den Spendern zeigen, wie die Kinder zu Hause leben. Ich wurde freundlich empfangen und sofort zu Keksen und Tee eingeladen, ich liebe den indischen Chai! Der Vater wurde extra von den Feldern geholt, und auch der Bruder kam vorbei. Nachdem ich ihr Zuhause fotografiert hatte, gingen wir zur Kirche, Kerala hat ja eine grosse christliche Gemeinde. Die Kirche war zu, aber der Zufall wollte es, dass die Familie den Schlüssel hatte. Also konnte ich die Kinder fotografieren, wie sie vor dem Altar ein Lied sangen.

Haben Sie etwas aus Malakkara mit nach Hause gebracht?

Die Erinnerungen an die Kinder begleiten mich durch den Alltag. Aber auch indischer Tulsi Tee und Himalaya Zahnpasta, die ich mir in Indien eigentlich nur gekauft habe, weil ich meine Zahnpasta zu Hause gelassen hatte. Mittlerweile bitte ich jeden, der nach Indien reist, mir einen neuen Vorrat an Tee und Zahnpasta mitzubringen. Und natürlich habe ich die ganz grosse Hoffnung und den Wunsch, dass die Stiftung noch vielen weiteren Kindern helfen kann. Immerhin begleite ich die Cleft-Kinder-Hilfe Schweiz schon seit ihrer Gründung und bin sehr dankbar, dass ich als Grafiker und Fotograf dazu beitragen kann, ihr nach aussen hin ein Gesicht zu geben. Zur Person Nicolas Petit, 36, arbeitet bereits seit ihrer Gründung als Fotograf und Grafikdesigner für die Cleft-Kinder-Hilfe Schweiz. Der gesamte Auftritt der Stiftung geht auf seinen Entwurf zurück. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die dokumentarische Fotografie, und so hat er auch in Indien Ergebnisse unserer Arbeit in Bildern festgehalten, die die Cleft-Kinder als Persönlichkeiten in ihrer Welt zeigen, die zugleich auch unsere ist – fremd und vertraut. Nicolas Petit lebt und arbeitet im Raum Zürich.

Interview im Badener Tagblatt vom 4.11.19

Der Fotograf mit sechs Fingern — sein Geburtsgebrechen bezeichnet er als «Laune der Natur»

lesen Sie das Interview von Ursula Burgherr hier:

https://www.badenertagblatt.ch/aargau/baden/der-fotograf-mit-sechs-fingern-sein-geburtsgebrechen-bezeichnet-er-als-laune-der-natur-135917954

Wenn Nicolas Petit für das Badener Tagblatt mit einer Kamera posiert, muss man zwei Mal hinschauen: Er hat nur sechs statt zehn Finger und seine Arme sind zu kurz. Der 38-Jährige wurde mit Dysmelie geboren, einer seltenen Fehlbildung der Extremitäten.

Mit fünf Jahren wurde ihm das rechte Handgelenk fixiert und aus zwei Fingern ein Daumen konstruiert. Das erleichtert das Greifen nach Gegenständen. «Sie müssen noch ein Bild machen, wie ich arbeite. Denn wenn die Leute mich sehen, nimmt es sie zuallererst wunder, wie das mit meinen Armen überhaupt geht», ergänzt der attraktive Fotograf in seinem Atelier am Postplatz Ennetbaden.

Sein Geburtsgebrechen bezeichnet er als «Laune der Natur». Längst hat er sich an die verstohlenen Blicke gewöhnt und spricht am liebsten offen über seine Beeinträchtigung, die er gar nicht als solche empfindet. «Gehadert habe ich mit meinem Schicksal fast nie. Ich kann alles machen wie andere auch. Einfach auf meine Art», sagt der gebürtige Langenthaler, der in Basel und im Elsass aufwuchs.

Er kramt in einer Schublade mit Dekor und Fotozubehör. Am 6. November 2019 soll sein Postkartenkalender «Kleine Bäder» erscheinen. Dafür hat Petit mit 2 Zentimeter grossen Eisenbahnfigürchen «Badeszenen» kreiert, die er vor verschiedenen Orten wie der Ruine Stein, dem Bäderquartier oder dem Schartenfels ablichtete. Entstanden ist eine originelle und witzige Interpretation der alten Badekultur von Baden.

«Manchmal dauert die Nachbearbeitung stundenlang, bis alles perfekt ist», erklärt Petit mit funkelnden Augen. Denn erstens ist er selbstkritisch, zweitens hegt er eine enorme Leidenschaft für seinen Job. Dass er seit 10 Jahren selbstständig als Fotograf und Grafiker in seinen eigenen Räumen arbeitet, ist sein ganz persönlicher Triumph. Der berufliche Weg von Nicolas Petit war nämlich mit einigen Hindernissen gepflastert. Die IV sah in ihm einen Rentenbezüger

«Sorry, du bist behindert. Geh zur IV, die kann dir besser helfen», hiess es einst, als sich Nicolas Petit nach Abschluss der Rudolf-Steiner-Schule in Basel bei einem Berufsberater Tipps für seine Zukunft holen wollte. Auch die IV sah in ihm bereits einen Rentenbezüger und machte anfänglich keinerlei Anstalten, ihn in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Dabei hatte der junge Mann nur einen Wunsch: «Ich wollte unbedingt einen Job, der mir Freude macht und mit dem ich mein eigenes Geld verdienen kann.»

Sein Traum, Grafiker zu werden, scheiterte im ersten Anlauf. Nach einer gestalterischen Grundausbildung in Luzern wurde er von der Kunstgewerbeschule abgelehnt. «Ich fiel aus allen Wolken und hatte keine Ahnung, wie es weitergehen soll», erinnert sich Petit. Er versuchte sich in verschiedenen anderen Berufen, aber nichts schien zu fruchten. Licht ins Dunkel kam dann doch noch durch die IV, die ihn an eine private Schule vermittelte. Dort konnte er endlich die Ausbildung zum Grafiker machen und schloss mit 25 Jahren als Klassenbester ab.

Von da an ging es aufwärts. Es folgten Praktika auf verschiedenen Agenturen. «Ich kreierte die ersten Broschüren, schuf mir mit der Zeit eine kleine Klientel und wagte schliesslich den Schritt in die Selbstständigkeit.» Petits erster grosser Kunde war die Privatklinik von Professor Hermann F. Sailer in Zürich und Gründer der Stiftung Cleft-Children International. Dieser operiert mit einem Ärzteteam in Indien bettelarme Kinder, die mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte oder anderen Deformationen geboren werden.

Petit reiste in seinem Auftrag nach Chennai, Mumbai, Kalkutta und Hyderabad und begleitete die kleinen Patienten am Tag ihrer Operation. «Dank meiner eigenen Biografie konnte ich sehr viel einbringen», sagt Petit. Zum Grafikgeschäft kam in dieser Zeit das Fotografieren dazu. «Alles, was ich brauche, habe ich mir mit E-Learning, Workshops und Fachliteratur beigebracht», erzählt der Alleinunternehmer und schaut sich in seinem Ennetbadener Atelier um, das er vor drei Jahren gemietet hat. Dank seines Verdienstes konnte er nach und nach ein professionelles Fotostudio aufbauen und zählt Stiftungen, Schulen, KMU und Privatpersonen zu seinen Kunden.

Das Credo von Petit entstammt aus dem Buch «Der einarmige Judo-Champion», in dem steht, wie man mit eigener Kraft aus jedem Nachteil einen Vorteil machen kann. «Ich musste das ganze Leben lang für sämtliche Handgriffe – und seien sie noch so alltäglich – meine eigene Lösung finden. Deshalb bin ich unglaublich kreativ geworden.»

Den Bürotisch, an dem er arbeitet, hatte er sich für seine Bedürfnisse zurechtgesägt. Er ist ständig am Ausprobieren und Optimieren. Seine körperliche Beeinträchtigung hat ihm grosse Stärken in anderen Bereichen verliehen. Gemobbt wurde Petit in der Schule zwar selten. Trotzdem hatte er Phasen, in denen er an sich zweifelte. ««Als ich im Kinderhort zum ersten Mal merkte, dass ich mit meinen deformierten Armen anders aussah als meine ‹Gspänli›, hatte ich einen Schock. Ich wollte mich nur noch verstecken.»

Die zweite Krise kam in der Pubertät. «Ich verstand mich gut mit Frauen. Aber für sie war ich immer bloss der Kollege.» Mittlerweile ist er seit 4 1⁄2 Jahren mit der Physiotherapeutin Mona zusammen. Das Paar lebt gemeinsam mit Sohn Kian in Ennetbaden und teilt sich die Erziehung des 2-jährigen Sprösslings auf.

Dem Mitleid, das ihm oft entgegenschlägt, kontert er mit Humor. «Wenn mich jemand zum x-ten Mal fragt, wie ich mit nur drei Fingern pro Hand überhaupt fotografieren könne, frage ich zurück, wie das denn mit fünf pro Hand möglich sei. Ich hätte mit so vielen Fingern ein ‹Gnusch›», witzelt Nicolas Petit und zeigt sein entwaffnendes Lächeln.